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Vandalismus kostet Rostock jährlich Hundertausende Euro

Rostock (HRPS) • Ein neuer Spielplatz im Lindenpark, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen geplant und gefeiert – doch dann die Enttäuschung. Die Freude über diesen neu gestalteten Ort zum Spielen, Begegnen und Verweilen weicht der Ernüchterung, dass bereits wenige Wochen nach der Eröffnung erste Vandalismusschäden an dem Spielplatz registriert wurden. Das Beispiel steht sinnbildlich für ein Problem, das Rostock seit Jahren zunehmend beschäftigt: illegale Graffiti.

Vandalismus und illegale Graffiti verursachen im Rostocker Stadtgebiet seit Jahren hohe finanzielle, personelle und organisatorische Belastungen. Betroffen sind insbesondere Schulen, Sporthallen, Spielplätze, Brückenbauwerke sowie zahlreiche Einrichtungen im öffentlichen Raum. „Die Schäden beeinträchtigen nicht nur das Stadtbild und das Sicherheitsgefühl vieler Menschen, sondern binden auch erhebliche Mittel, die an anderer Stelle dringend benötigt würden“, sagt Finanz- und Ordnungssenator Dr. Chris von Wrycz Rekowski.

Allein an Rostocker Schulen entstanden im Jahr 2024 Kosten in Höhe von mehr als 36.000 Euro für die Beseitigung von Graffiti und Glasbruchschäden durch externe Firmen. Hinzu kommt ein kaum sichtbarer, aber enormer Kraftakt hinter den Kulissen: „Rund 12.540 Arbeitsstunden werden schätzungsweise jährlich von Hausmeisterinnen und Hausmeistern sowie technischem Personal aufgewendet, um Vandalismusschäden zu beseitigen. Zeit, die eigentlich für Wartung, Pflege und die Verbesserung der Lernumgebung vorgesehen ist“, verdeutlicht Schul- und Sportsenator Steffen Bockhahn. In den Sommermonaten, wenn Schulhöfe und Außenanlagen intensiv genutzt werden, ist der Aufwand besonders hoch – während gleichzeitig nicht mehr alles zeitnah entfernt werden kann, weil schlicht die Kapazitäten fehlen.

Auch die Arbeit vom Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE) Rostock wird von dem Problem beeinflusst. Seit 2020 wurden bis Ende 2025 mehr als 380 Schadensmeldungen an KOE-Objekten registriert, davon knapp 60 im Jahr 2025. Die Gesamtkosten für die Beseitigung liegen bei zirka 210.000 Euro – und dabei sind die zusätzlichen Personalkosten und die Instandhaltungsaufwendungen wegen nachhaltig entstandener Gebäudeschäden noch nicht enthalten. „Die Beseitigung von Graffiti und Vandalismusschäden erzeugt eine enorme finanzielle und personelle Belastung. Dieses Geld fehlt an anderer Stelle – etwa für die Realisierung dringend benötigter Sport- und Bildungsangebote“, sagt KOE-Betriebsleiterin Sigrid Hecht.

Besonders häufig betroffen sind Schulen und Sporthallen, darunter unter anderem die Sporthalle in der Olof-Palme-Straße, die Baltic-Schule, die Otto-von-Lilienthal-Schule, die Borwinschule sowie die Regionale Schule und Grundschule am Taklerring. Doch auch der öffentliche Raum leidet: Beschmierte Verkehrsschilder, beklebte Ampeln, beschädigte Parkscheinautomaten oder verschmutzte Brunnen gehören vielerorts inzwischen zum Alltag. Allein an Brücken und Unterführungen fielen in den vergangenen Jahren teils erhebliche Kosten an. „Für Graffitientfernungen am Fußgängertunnel Lütten Klein haben wir zum Beispiel rund 30.000 Euro aufwenden müssen. Hinzu kommen mehrere Tausend Euro an weiteren Tunnel- und Brückenstandorten sowie zusätzliche Aufwendungen für beschädigte Treppenanlagen“, fasst Verkehrs- und Bausenatorin Dr. Ute Fischer-Gäde zusammen. Besonders gravierend sind Verunreinigungen von Brunnenanlagen, bei denen schäumende Haushaltschemikalien eingesetzt wurden und Anlagen zeitweise außer Betrieb genommen werden mussten. „Unser Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Friedhofswesen registriert im öffentlichen Raum zudem immer wieder zerstörte Bänke. Aus Sicherheitsgründen müssen wir diese dann abbauen – zum Nachteil all jener, die diese Orte nutzen und schätzen“, so Fischer-Gäde. In der vergangenen Vorweihnachtszeit wurde beispielsweise mehrfach die Regenbogenbank am Oberwall in den Wallanlagen mit verfassungswidrigen Symbolen beschmiert. Zudem wurden Schmierereien im Barnstorfer Wald und in der Nähe des Asylbewerberheim in der Satower Straße auf den Gehwegen und zahlreichen Bänken gemeldet. „Hier haben wir es nicht nur mit Vandalismus, sondern auch mit dem Verwenden von verfassungsfeindlichen Symbolen als Strafbestand zu tun. Illegales Sprayen wird grundsätzlich von uns zur Anzeige gebracht. Die Täter müssen mit straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen rechnen“, gibt Dr. Chris von Wrycz Rekowski zu bedenken. Schadensersatzforderungen können über Jahre bestehen bleiben und Lebenswege belasten.

Der seit 2015 in der Stadt tätige Kommunale Präventionsrat setzt daher auf frühzeitige Aufklärung. Präventionsarbeit, Gespräche an Schulen und konkrete Hilfsangebote sind feste Bestandteile der Arbeit. Auch im Privaten betroffene Menschen können sich an den Präventionsrat wenden und Unterstützung bekommen. Zusätzlich erhalten straffällig gewordene Jugendliche innerhalb des Anti-Graffiti-Projekts die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und Schäden im Zuge von Sozialstunden zu beseitigen.

„Für uns als Stadt bleibt nur der Appell an alle. Wenn wir unsere öffentlichen Räume, unsere Schulen, unsere Sport- und Grünanlagen schützen, schützen wir nicht nur Beton, Glas und Farbe – sondern auch das Miteinander und die Lebensqualität in unserer Stadt“, betont Dr. Chris von Wrycz Rekowski.


Quelle: HRO-News.de | Rubrik: Stadt | Mi., 21.01.1970 - 12:15 Uhr | Seitenaufrufe: 6
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