Rostocker Grünamt versorgt Bäume mit innovativer Bewässerungstechnik / News / Seestadt Rostock
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Quelle: OSTSEE-ZEITUNG | Di., 04:26 Uhr
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Quelle: HRO-News.de | So., 16:27 Uhr

Rostocker Grünamt versorgt Bäume mit innovativer Bewässerungstechnik

Rostock (HRPS) • "Unseren Bäumen geht es zunehmend schlechter.“ Maik Brandt lässt seinen Blick den Baumstamm hochwandern und zeigt in die Baumkrone, auf Äste, die den ganzen Sommer keine Blätter getragen haben. Bei regelmäßigen Baumkontrollen überprüft das Team vom Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Friedhofswesen den Zustand der Gehölze und stellt mit Erschrecken fest: Insbesondere lange Dürreperioden, verursacht durch den Klimawandel, setzen den Bäumen stark zu. Alt- und Jungbäume leiden. Im schlimmsten Fall sterben sie sogar ab. Dabei sind sie nicht nur in Zeiten extremer Hitze als Schattenspender relevant. Sie kühlen die Stadt herunter, binden klimaschädliches Kohlendioxid, geben Sauerstoff an die Luft ab und sind darüber hinaus ein wichtiger Baustein zur Erhaltung der Biodiversität. So kann einzelner Baum Lebensraum für Hunderte von Arten von Insekten, Pilzen, Moosen und Pflanzen sein.

„Als Stadt stehen wir in der Verantwortung, schnellstmöglich praktisch realisierbare Lösungen zu finden, um unseren Baumbestand nachhaltig zu schützen“, verdeutlicht Dr. Ute Fischer-Gäde, Senatorin für Stadtplanung, Bau, Klimaschutz und Mobilität in der Hanse- und Universitätsstadt Rostock.

Maik Brandt hat so eine Lösung. Sein Konzept für die autarke und automatische Bewässerung von Bäumen wurde inzwischen mehrfach auf dem Stadtgebiet umgesetzt. Zunächst wurden Prototypen für Jungbäume realisiert, zuletzt ein System für Altbäume im Stephan-Jantzen-Park in Warnemünde. Dort sind die Bäume zusätzlichen Extremsituationen aufgrund der direkten Küstennähe ausgesetzt. Salzeintrag, Winddruck, Sandschliff sind weitere Stressfaktoren. Zudem kann der örtliche Sand- und Torfboden schlecht Wasser halten.

Autark bedeutet, das System funktioniert eigenständig, ohne dass Personal gebunden werden muss. Zeitgleich wird kein Trinkwasser verbraucht, weil Regenwasser abgefangen und in einer unterirdischen Zisterne mit einem Fassungsvermögen von 15.000 Litern gelagert wird. Sensoren überprüfen permanent den Zustand der Bäume, indem sie die Bodenfeuchte messen. Die Sensoren funken SOS, sobald ein Baum Wasser benötigt. Über ein Leitungssystem wird dem Baum dann entsprechend Wasser aus der Zisterne zugeführt. „Das alles funktioniert über eine Steuereinheit. Dort ist vorprogrammiert, wann ein Baum einen kritischen Trockenheitswert erreicht, wann er also eine externe Wasserzufuhr benötigt. Ist der Wert erreicht, springt die Tauchpumpe an und bringt Wasser auf das Leitungssystem – und zwar direkt zu dem Baum, der Alarm gesendet hat“, erklärt Maik Brandt. Das Wasser fließt über Splittzylinder ein. Dadurch soll ein weiteres Problem gelöst werden: Aufgrund der veränderten Vegetation und dem damit verbundenen Überlebensdrang entwickeln zahlreiche Bäume auf der Suche nach Wasser Oberflächenwurzeln. Dort zerstören sie oftmals Straßen und Gehwege. Weil der Wassereintrag mittels Splittzylinder unterirdisch erfolgt, orientieren sich die Wurzeln wieder in die Tiefe.

Das Regenwasser wird von einem örtlichen Parkhaus entnommen. Weil sich dieses in Privatbesitz befindet, musste mit dem Eigentümer ein entsprechender Nutzungsvertrag geschlossen werden. Auf dem Dach wurde zusätzlich eine PV-Anlage installiert. Diese versorgt die Pumpentechnik im Untergrund mit Strom. 22 Altbäume werden aktuell auf diese Weise bei Bedarf mit Wasser versorgt. Rund 65.000 Euro wurden in das Projekt investiert, das im August dieses Jahres zum Abschluss gebracht werden konnte. „Wir sind dabei kostengünstigere Alternativen zu entwickeln“, sagt Maik Brandt. „Damit wir stadtweit weitere Bewässerungssysteme installieren können.“ Die Hanse- und Universitätsstadt Rostock strebt in diesem Zusammenhang eine Beteiligung am „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“ an. Dieses soll dafür sorgen, dass Ökosysteme wiederhergestellt und bewahrt werden. Von 2024 bis 2028 stehen für die verschiedenen Maßnahmen bundesweit mehr als 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Förderquote liegt bei 80 Prozent.

Quelle: HRO-News.de | Rubrik: Umwelt & Natur | Mi., 21.01.1970 - 00:49 Uhr | Seitenaufrufe: 0
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